Ohne Bewertung Freude erleben

Das Wort "Erleuchtung" klingt für viele hochtrabend und so gut wie nicht erreichbar. Aber es gibt unterschiedliche Grade der Erleuchtung und ich nenne diese hier deshalb "Kleine Erleuchtung". Ich habe die Technik dazu selbst ausprobiert und habe auch ihren Effekt erlebt. Jeder kann das nachmachen. Ich war einfach neugierig, wie es sich anfühlt, wenn man für längere Zeit den analytischen Verstand pausiert. Ich war überwältigt. 5 Stunden lang...

Castaneda lässt grüßen

Obwohl ich schon immer einen nüchternen und klaren Geisteszustand bevorzugte und chemische Hilfsmittel kategorisch ablehnte, faszinierten mich die Bücher von Carlos Castaneda. Und da ging es um eine Technik, um die "Welt anzuhalten". Man sollte also einfach geradeaus gehen und den Horizont fixieren. Tja, nun befand sich Castaneda in der mexikanischen Wüste und da gibt es jede Menge Horizont aber nicht da wo ich wohne.

Also funktionierte diese Technik nicht. Ich wandelte sie ab und probierte sie aus.

Buch Carlos Castaneda

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Der gleitende Blick

Worum geht es eigentlich bei dieser Technik? Der analytische Verstand soll zum Schweigen gebracht werden. Und das kann man dadurch erreichen, dass man Unmengen an Input provoziert (sinnliche Eindrücke) und dem Verstand nicht gestattet dazu Stellung zu nehmen. Also ging ich los, ganz normal, eher langsam und schaute z.B. den Weg vor mir an. Alle Details schaute ich mir genau an, die Farbe, die Struktur der Steinchen am Rand, Licht und Schatten, einfach alles. Dann ließ ich den Blick an einem Baum hoch wandern und schaute mir auch dessen Details ganz genau an.

Der Unterschied zum normalen Schauen ist, dass der Blick nicht hin und her springen darf. Nein, der Blick muss zäh wie eine Schnecke zwischen den Objekten gleiten. Langsam und gründlich. Und dabei schweigt der Verstand. Er sagt gar nichts. Im Idealfall jedenfalls. Wenn der Verstand beginnt, die Dinge zu benennen oder gar zu beurteilen, dann soll man gelassen bleiben und wieder zur gründlichen Beobachtung zurückkehren.

Das Licht

Ich ging so ungefähr 5 Stunden (weil es das erste Mal war) und beobachtete alles ganz gründlich und gemächlich. Und dann geschah es ganz unvermittelt. Es schien mir, als würde es ganz hell um mich und eine gewaltige Welle der Freude und Euphorie riss mich fort. Ich musste mich tatsächlich an einem Passanten festhalten, denn ich wusste in dem Moment nicht wohin mit meiner Freude. Es war unbeschreiblich.

Natürlich fand der Passant das merkwürdig und wir trennten uns wieder. Und dann folgten 5 Stunden unglaublicher Seligkeit. Nicht dass ich lachend umhersprang. Nein, ich ging ganz normal, fühlte mich jedoch allem sehr nahe. Also das, was man wohl Liebe nennt. Selbst kleine Risse in einer Hauswand erschienen mir bezaubernd schön und ich verlor mich im Spiel von Licht und Schatten.

Da dieser Effekt ohne jegliche äußeren Hilfsmittel geschah dachte ich so bei mir "um glücklich zu sein braucht man nicht mehr, sondern weniger." Durch das Weglassen von Bewertung und "Verstehen wollen" eröffnete sich mir ein anderer Blick auf die Welt. Es waren die unglaublichsten 5 Stunden meines Lebens.

Didgeridoo spielen

Und das Gute ist. Wann immer ich zur Ruhe komme, z.B. wenn ich Didgeridoo spiele, dann stellt sich dieser selige Zustand von ganz alleine ein. Es scheint mir, ich habe da eine Tür geöffnet und kann jederzeit rein oder raus.

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Alltag

Aber auch im Alltag kann man diese Technik gut gebrauchen, um einfach mal abzuschalten. Man tut sich selbst und seinem Körper einen großen Gefallen, wenn man mal eine Zeit lang nicht denkt, nicht bewertet oder kommentiert.

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